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Schön, dass Sie auf den Sei­ten der Ev.-luth. St. Martin-Gemeinde aus Hannover-Anderten vor­bei­kom­men. Das Gemein­de­le­ben fin­det mehr in der Gemeinde, in Got­tes­diens­ten, Grup­pen, Krei­sen und Pro­jek­ten statt, aber es spie­gelt sich wider in der Inter­net­dar­stel­lung. Besu­chen Sie uns doch mal »live und in Farbe«.

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September 2010
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Die verändernde Kraft der Liebe

Pre­digt am Sonn­tag, 17. Januar 2010 in St. Martin-Anderten
2. Sonn­tag nach Epi­pha­nias von Pas­tor Hel­mut Kühl

Pre­digt­text: Römer 12,9–16
Die Liebe sei ohne Falsch.
Hasst das Böse, hängt dem Guten an.
Die brü­der­li­che Liebe unter­ein­an­der sei herz­lich.
Einer komme dem andern mit Ehr­er­bie­tung zuvor.
Seid nicht träge in dem, was ihr tun sollt.
Seid bren­nend im Geist.
Dient dem Herrn.
Seid fröh­lich in Hoff­nung, gedul­dig in Trüb­sal, beharr­lich im Gebet.
Nehmt euch der Nöte der Hei­li­gen an.
Übt Gast­freund­schaft.
Seg­net, die euch ver­fol­gen; seg­net, und flucht nicht.
Freut euch mit den Fröh­li­chen und weint mit den Wei­nen­den.
Seid eines Sin­nes unter­ein­an­der.
Trach­tet nicht nach hohen Din­gen, son­dern hal­tet euch her­un­ter zu den gerin­gen.
Hal­tet euch nicht selbst für klug.

Ein­lei­tung:
Was uns ver­bin­det
»Unser Stadt­be­zirk (Misburg-Anderten) ist bekannt für seine Viel­falt an Ver­ei­nen und Ver­bän­den. Mehr als 45 Ver­eine haben sich allein in der AMK (Arbeits­ge­mein­schaft Mis­bur­ger und Ander­ter Kul­tur­ver­eine e.V.) zusam­men­ge­schlos­sen. Dar­über hin­aus gibt es zahl­rei­che Grup­pen und Ver­eine in den Kir­chen­ge­mein­den, Schu­len und als tem­po­räre Pro­jekt­teams. Ver­eins­mit­glie­der wer­den dann und wann als ›Ver­eins­meier‹ belä­chelt. Ver­eine sind den­noch und gerade in der gegen­wär­ti­gen Zeit ein Zei­chen orga­ni­sier­ter Ver­bind­lich­keit und Ver­läss­lich­keit. Die Ver­eins­mit­glie­der wis­sen, was dies für sie — auch über die Ziel­set­zun­gen des Ver­eins hin­aus — bedeu­tet.»
So steht es geschrie­ben im Inter­net auf der Seite des Nana­net. Men­schen schlie­ßen sich aus sehr unter­schied­li­chen Grün­den zusam­men. Sie ver­ei­nen sich und bil­den so einen Ver­ein. Wenn das als Ver­eins­meie­rei belä­chelt wird, dann darf man doch hoch erho­be­nen Haup­tes dage­gen set­zen: Wäre es denn ein Zei­chen gesell­schaft­li­chen Reich­tums, wenn es die Ver­eine und Ver­ei­ni­gun­gen nicht gäbe? Auf kei­nen Fall! Gäbe es die Ver­eine nicht, würde an ihre Stelle eine große Ver­ein­sa­mung tre­ten. Jeder sorgt für sich, jeder denkt an sich, jeder bleibt für sich.
Es liegt doch offen zu Tage, dass dage­gen in der Ver­ei­ni­gung zu einem Ver­ein die Mög­lich­kei­ten, etwas zu errei­chen, viel grö­ßer sind, als wenn jeder für sich allein sich bemüht. Natür­lich kann z.B. jeder allein Sport trei­ben. Aber Mann­schafts­sport ist so schon nicht mehr mög­lich. Die Viel­falt der Betä­ti­gung wird durch die Ver­ei­ni­gung vie­ler enorm erhöht.
Das gilt aber nicht nur für den Sport, son­dern für alle Ver­eine, die im Zusam­men­schluss vie­ler Ein­zel­per­so­nen ihre Effek­ti­vi­tät erhö­hen. »Gemein­sam sind wir stark.« Das gilt immer noch und wird auch immer gel­ten.
Das gilt auch für den christ­li­chen Glau­ben. Sicher: Jeder ein­zelne Christ soll selbst sei­nen per­sön­li­chen Glau­ben leben. Aber damit er das kann, bedarf er immer wie­der der Impulse durch andere Chris­ten, aus denen sich sein Glaube speist. Und die Gemein­schaft der Chris­ten braucht ihn, damit er mit sei­nen Gaben und sei­ner Mit­ar­beit mit hilft, die Gemein­schaft zu erhal­ten und zu bauen.
Das ist ja alles ganz schön gesagt. Aber es leuch­tet doch nicht allen ein. In einer Spaß­ge­sell­schaft, wo jeder vor allem sei­nem eige­nen Lust­ge­winn dient, lässt die Bereit­schaft in vie­len Berei­chen nach, sich im Zusam­men­schluss mit ande­ren auch für andere ein­zu­set­zen. Jeder hat zwar seine Erwar­tun­gen an den Staat, an Insti­tu­tio­nen und Ver­eine, an andere Men­schen. Aber nicht jeder ist bereit, in dem Maß sei­ner eige­nen Erwar­tun­gen auch etwas für die All­ge­mein­heit zu tun.
Damit ste­hen wir vor einem gro­ßen Pro­blem: Die Ver­ein­ze­lung und Ver­ein­sa­mung bringt auf lange Sicht den Zer­fall einer Gesell­schaft mit sich. Aus dem ers­ten Schritt, wo jeder für sich bleibt, kann ganz schnell der zweite wer­den, dass jeder gegen jeden kämpft, um sich sei­nen Vor­teil zu sichern.
In so fern ste­hen wir vor der gemein­sa­men Auf­gabe: Wie gewin­nen wir Men­schen dafür, dass sie ent­de­cken, dass im Ein­satz für andere letzt­lich ein Gewinn für alle liegt?
1. Teil:
Liebe dei­nen Nächs­ten wie dich selbst!
Ich sel­ber bin im Novem­ber ver­gan­ge­nen Jah­res Grün­dungs­mit­glied eines neuen Ver­ei­nes gewor­den. Eltern von Kin­dern unse­rer Kin­der­ta­ges­stätte haben sich zusam­men­ge­schlos­sen, um die Kita, in der ihre Kin­der betreut wer­den, zu för­dern. Ich finde es außer­or­dent­lich erfreu­lich, mit wel­chem Enga­ge­ment diese Eltern ihren neuen Ver­ein vor­an­brin­gen.
Die­ses Bei­spiel zeigt mir deut­lich, was Men­schen bewegt, ohne Druck von außen, ohne Zwang sich für andere ein­zu­set­zen. Diese ande­ren sind in die­sem Fall ihre eige­nen Kin­der. Diese Eltern lie­ben ihre Kin­der. Sie brin­gen sie in die Kita, weil sie darin etwas Gutes für ihre Kin­der sehen. Wenn die Kita Man­gel lei­det, trifft das ziem­lich unmit­tel­bar auch ihre Kin­der. Geht es der Kita gut, dann geht es auch ihren Kin­dern gut.
Was also Men­schen bewegt, sich für andere Men­schen ein­zu­set­zen, ist ganz ein­fach mit dem Wort »Liebe« aus­ge­sagt. Im Sinne der Bibel ist Liebe nicht zuerst ein Gefühl, son­dern ist die Tat, die einem ande­ren Men­schen Gutes tut. Dazu gehört dann auch das Gefühl, das sich dem ande­ren Anteil neh­mend zuwen­det.
Men­schen ver­ei­nen sich, um gemein­sam etwas Gutes zu bewir­ken. Dazu kön­nen sie z.B. einen Ver­ein grün­den. Natür­lich kön­nen diese Zusam­men­schlüsse auch in zeit­lich begrenz­ten Pro­jek­ten oder infor­mel­len Grup­pen beste­hen, wie bei­spiels­weise bei der Nach­bar­schafts­hilfe. Ent­schei­dend ist dabei die Ein­sicht: Wenn das Gute allen zugute kom­men soll, darf man nicht zu kurz­fris­tig den­ken. Dann darf man sich nicht sofort von der Frage lei­ten las­sen: Was habe ich davon? Son­dern die Frage heißt: Was kann ich dazu bei­steu­ern, dass das gemein­same Ziel des Guten erreicht wird?
John F. Ken­nedy hat diese Ein­sicht in die Worte gegos­sen: »Frage nicht, was dein Land für dich tun kann, son­dern was du für dein Land tun kannst.« Lang­fris­tig und nach­hal­tig ist es dann so: Geht es dem Land gut, geht es auch dir gut.
Die­ses Den­ken ist das Den­ken der Liebe. Liebe baut auf. Liebe denkt an das Gute und gibt das Gute dem ande­ren in der Gewiss­heit: Geht es ihm gut, wird es am Ende auch mir gut gehen, selbst wenn ich kurz­fris­tig erst ein­mal so inves­tiere, ohne dass ich davon sofort selbst einen Vor­teil zu habe.
Der Apos­tel Pau­lus schreibt: (Römer 13,8+10) »Seid nie­mand etwas schul­dig, außer, dass ihr euch unter­ein­an­der liebt; denn wer den andern liebt, der hat das Gesetz erfüllt. Die Liebe tut dem Nächs­ten nichts Böses. So ist nun die Liebe des Geset­zes Erfül­lung.« Darum zielt sein Brief an die römi­sche Gemeinde in den letz­ten Kapi­teln dar­auf, die­ses Gebot auf ver­schie­dene Lebens­si­tua­tio­nen zu bezie­hen und sein Bedeu­tung für sie zu zeigen.

2. Teil:
Das Wir­ken der Liebe
Darum geht es auch in den Sät­zen, die der Pre­digt zugrund lie­gen. Ich will an eini­gen von ihnen deut­lich machen, wie sie die kon­krete Umset­zung des Lie­bes­ge­bo­tes sind.
Die Liebe sei ohne Falsch.
Die Liebe tut dem ande­ren Gutes. Es gibt da aber ein Pro­blem. Liebe kann auch gespielt wer­den. Ich denke z.B. an Leute in mei­ner Gemeinde in Bogotá, die sich für ein sozia­les Pro­jekt ein­setz­ten. Solange sie Ver­ant­wor­tung tru­gen und mit an der Spitze der Arbeit stan­den, setz­ten sie sich toll ein. Als sie aber nicht mehr so im Ram­pen­licht stan­den, erlahmte ihr Inter­esse erstaun­lich schnell. Im Grunde ging es ihnen also gar nicht um die bedürf­ti­gen Men­schen. Im Grunde sollte die Hilfe, die sie ihnen ver­schaff­ten, sie selbst groß machen. Damit wurde ihr sozia­ler Ein­satz im Grunde eine Schau­spie­le­rei. Die Liebe war geheu­chelt.
Pau­lus redet gleich am Anfang die­ser Ermah­nun­gen davon, weil diese Hal­tung weit ver­brei­tet ist. Man tut Gutes, aber es muss auch anstän­dig bedankt und gewür­digt wer­den, was für ein selbst­lo­ser Mensch man doch ist. Das ist nur der Anschein von Liebe.
Hasst das Böse, hängt dem Guten an.
Das Böse liegt letzt­lich darin, dass ein Mensch sich selbst zum Maß aller Dinge macht. Wenn es ihm und sei­nem Vor­teil dient, ist er bereit zu lügen und zu betrü­gen, zu steh­len und die Ehe zu bre­chen. Das Böse zer­stört erst den ande­ren, dann aber auch den Täter selbst. Darum ist es zu ver­ab­scheuen. Die Liebe zu einem Men­schen kann also nicht bedeu­ten, das Böse an ihm zu decken. Liebe bedeu­tet jetzt: Dem Täter des Bösen zu hel­fen, vom Bösen zu las­sen. So wird er geliebt.
Wer liebt, kann nur das Gute wol­len, selbst wenn es schwer fällt und den gan­zen Mut und Ein­satz for­dert.
Die brü­der­li­che Liebe unter­ein­an­der sei herz­lich.
Wer Gott als himm­li­schen Vater ken­nen gelernt hat, ist geschwis­ter­lich mit allen Men­schen ver­bun­den, die eben­falls seine Kin­der sind. Das hebt zwar die gro­ßen Unter­schiede unter uns nicht auf. Aber es nimmt ihnen die Kraft, uns zu tren­nen. Dass wir ein­an­der lie­ben sol­len, gilt jetzt beson­ders, so dass Pau­lus mahnt: Ach­tet dar­auf, dass eure Liebe zu ein­an­der aus dem Her­zen kommt und nicht nur eine christ­li­che Sitte ist, in der man sich zwar Bru­der und Schwes­ter nennt, aber doch keine Wärme in die Bezie­hung strö­men lässt.
Einer komme dem andern mit Ehr­er­bie­tung zuvor.
Wo Men­schen in einer gewis­sen Nähe mit ein­an­der umge­hen, kann es auch zu einer Respekt­lo­sig­keit kom­men, die die beson­dere Stel­lung des ande­ren als Vor­ge­setz­ter, als Eltern, als älte­rer Mensch oder was auch immer, ver­gisst. Gleich­ma­che­rei ist kein Zei­chen von Liebe, son­dern eher von Acht­lo­sig­keit oder gar Ver­ach­tung. Ehr­er­bie­tung gerade auch eines höher Gestell­ten gegen Per­so­nen nied­ri­ge­ren Ran­ges bringt die­sen eine Schät­zung, die sie auf­wer­tet.
Seid nicht träge in dem, was ihr tun sollt.
Wir alle haben unsere Auf­ga­ben, in der Fami­lie, im Beruf und in der Gemeinde. Nicht für alles haben wir das­selbe Inter­esse. Leicht geschieht es, dass die unge­lieb­ten Auf­ga­ben ver­nach­läs­sigt wer­den. Das aber ist immer lieb­los. Liebe sagt: Ent­we­der ganz oder gar nicht.
Seid bren­nend im Geist.
Liebe ist ein Feuer, das der Geist mit einer Ein­sicht in uns ent­facht hat. Das gilt in beson­de­rer Weise vom Geist Got­tes, der uns die Liebe Got­tes auf­schließt und damit in unsere Her­zen senkt. Diese Liebe soll uns in unse­rem Tun zu enga­gier­ten und moti­vier­ten Men­schen machen.
Dient dem Herrn.
Tu das, was du einem ande­ren Men­schen tust, um Got­tes wil­len. Diene dem Herrn durch dei­nen Dienst an den Men­schen. Erwarte nicht Dank und Aner­ken­nung von den Men­schen, son­dern von Gott.
Seid fröh­lich in Hoff­nung, gedul­dig in Trüb­sal, beharr­lich im Gebet.
Liebe bewährt sich auch in schwie­ri­gen Situa­tio­nen, wo wir unter Druck gera­ten. Wie leicht weicht die Freude dann aus unse­ren Her­zen und Sin­nen. Die Liebe in uns aber speist sich aus der Liebe Got­tes zu uns. Auch unter Druck sich von Gott geliebt zu glau­ben und zu wis­sen, heißt: Ich hoffe jetzt dar­auf, dass Gott für mich alle Dinge zum Bes­ten wen­det. Darum klage ich nicht, son­dern halte in Geduld die Bedräng­nis aus. Das wird aber nur gelin­gen, wenn ich im Gebet bleibe und mich damit der lie­ben­den Gegen­wart Got­tes öffne.

3. Teil:
Auf die Tat kommt es an!
Es gibt nichts Gutes, außer, man tut es.
Ich schließe mit der Bemer­kung: Die über­zeu­gendste Weise, die Liebe in einem Men­schen zu ent­zünde, ist immer noch die, ihn Liebe erfah­ren zu las­sen. Dia­kon Wijn­maalen hat über seine Selbst­vor­stel­lung im Inter­net das Wort des Kir­chen­va­ters Augus­tin gestellt: »In Dir muss bren­nen, was Du in ande­ren ent­zün­den willst.« Da kann ich nur sagen: Amen, so ist es!

1 comment to Die verändernde Kraft der Liebe

  • […] Der Jah­res­auf­takt der AMK fand heute vor­mit­tag in den Räu­men unse­rer St. Mar­tin Gemeinde statt. Bereits im Fest­got­tes­dienst zeigte sich etwas vom Mit­ein­an­der und Für­ein­an­der im Ort: Der Volks­chor sang geist­li­che Stü­cke, die Kir­che war ram­mel­voll und Pas­tor Kühl brachte die Gaben und die Basis für alles Mit­ein­an­der, das echt seien soll, auf den Punkt: »Liebe muss den ande­ren mei­nen!« — Die Pre­digt folgt in einem geson­der­ten Artikel. […]

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