Geistliches Wort von Pastor Joachim Deutsch

Tau­fen – und kein Ende?

„Taufe — das ist Kin­der mit Was­ser strei­cheln“ sagte mein Neffe, als er mit unge­fähr vier Jah­ren einen Tauf­got­tes­dienst erlebt hatte. Kin­der­mund tut Wahr­heit kund. Taufe, das ist ein sehr zärt­li­ches, lie­be­vol­les Gesche­hen. Denn mit die­sen paar Trop­fen Was­ser, die einem Täuf­ling über den Kopf gegos­sen wer­den, gießt Gott seine ganze Liebe und sei­nen Geist in einen Men­schen hin­ein. Theo­lo­gen kön­nen das sehr prä­zise und sehr kor­rekt beschrei­ben, was da alles pas­siert, und den­noch bleibt die Taufe eine geheim­nis­volle, zarte Lie­bes­er­klä­rung Got­tes an einen Men­schen. Die lässt sich bes­ser mit den Wor­ten eines Vier­jäh­ri­gen erfas­sen, als in theo­lo­gi­schen Abhandlungen.

In die­sem Jahr haben wir in St.Martin schon sehr viele Kin­der mit Was­ser gestrei­chelt, so viele, wie im gan­zen letz­ten Jahr zusam­men. Man kann von einem klei­nen Boom spre­chen. In den letz­ten Wochen ist es fast zur Gewohn­heit gewor­den, in einem Got­tes­dienst eine, zwei oder drei Tau­fen zu fei­ern. Und alles, was zur Gewohn­heit wird, läuft Gefahr, sei­nen Zau­ber zu ver­lie­ren und gewöhn­lich zu erschei­nen, ja viel­leicht sogar zu ner­ven. Dann ist es wohl Zeit zum Inne­hal­ten, nach­den­ken, um den Zau­ber wie­der zu ent­de­cken, der der Taufe innewohnt.

Für viele Fami­lien ist die Taufe eines Kin­des ein wich­ti­ger Tag: Die Ver­wand­ten kom­men ange­reist und manch­mal ist man zum ers­ten mal seit der Geburt mal wie­der rich­tig zusam­men. Ein klei­ner Mensch wird in die Fami­lie auf­ge­nom­men, will­kom­men gehei­ßen, sein Leben mit einen Fest gefeiert.

Im Got­tes­dienst wird die­ser Hori­zont noch ein­mal erwei­tert: Nicht nur will­kom­men in der Fami­lie aus Eltern, Groß­el­tern, Tan­ten und Onkeln, son­dern auch will­kom­men in der Fami­lie Got­tes – der Gemein­schaft der Chris­ten. Dem Täuf­ling und sei­ner Fami­lie wird hier gezeigt: Dein Leben ist in einen grö­ße­ren Zusam­men­hang ein­ge­bet­tet, als du zunächst erken­nen kannst: Gott gehört zu dir dazu, die Fami­lie der Kin­der Got­tes ebenso. Darum ver­spre­chen Eltern und Paten in der Taufe, den Täuf­ling immer wie­der auf die­sen grö­ße­ren Rah­men hin­zu­wei­sen, ihn mit der Liebe Got­tes und mit der Gemein­schaft der Chris­ten ver­traut zu machen.

Die Vor­be­rei­tung des Fes­tes ist mit­un­ter recht müh­sam: Einen Ter­min zu fin­den, an dem alle kön­nen, Paten zu fin­den, die in der Kir­che sind und damit das Amt über­neh­men kön­nen, das ist mit­un­ter schwie­rig. Und den­noch halte ich es für rich­tig, dass unsere Kir­che daran fest­hält: Paten müs­sen in der Kir­che Mit­glied sein. Das Paten­amt wird schließ­lich von der Kir­che ver­ge­ben und sein Sinn besteht darin, dem Täuf­ling den christ­li­chen Glau­ben lieb und wert­voll zu machen. Wie sol­len Men­schen das ver­spre­chen kön­nen, denen die Fami­lie Got­tes nicht sel­ber lieb und wert­voll ist?

Manch­mal habe ich den Ein­druck, wir tref­fen bei Tau­fen auf Fami­li­en­mit­glie­der, die wir lange nicht mehr gese­hen haben. Die Regeln, die in der Fami­lie Got­tes in St.Martin so gel­ten, sind ihnen fremd gewor­den. Was braucht es dann in einer Fami­lie? Gegen­sei­ti­gen Respekt und Rück­sicht­nahme, Ver­ständ­nis alle­mal. Das kann anstren­gend sein, für alle Betei­lig­ten. Die Alter­na­tive aber wäre, dass man sich gar nicht mehr sieht, und die halte ich für die schlechtere.

Was in der Taufe nun eigent­lich pas­siert, das ist und bleibt ein Geheim­nis Got­tes. Wor­auf wir ver­trauen kön­nen ist, dass Gott ein vor­be­halt­lo­ses „JA“ über dem Leben des Täuf­lings aus­spricht, dass er sein Leben mit dem Leben des Täuf­lings ver­bin­det. Gött­li­ches Leben. Um das deut­lich zu machen, haben wir unse­ren Tauf­wand­be­hang: Den Gro­ßen Fisch in den Far­ben des Regen­bo­gens. Der Fisch steht für Jesus Chris­tus, der Regen­bo­gen für Got­tes Ver­spre­chen, unser Leben in allen Abgrün­den zu bewah­ren. Wer­den die Täuf­lin­gen nach der Taufe dort als klei­ner Fisch ange­hängt, dann wird deut­lich: Sie gehö­ren dazu: Zu Jesus und zur Gemein­schaft der Chris­ten, zu sei­nem Schwarm.

Doch mit der Taufe ist nicht das Ziel erreicht, son­dern ein Anfang gemacht. Wenn Got­tes Lie­bes­er­klä­rung unge­hört ver­hallt, dann kann sie im Leben des Täuf­lings auch keine Wir­kung ent­fal­ten. Wenn der grö­ßere Rah­men, in den unser Leben in der Taufe gestellt ist, abge­legt wird, dann kann er nicht hal­ten. Zur Taufe muss der Glaube, das Ver­trauen auf Gott hin­zu­kom­men. Dazu braucht es Eltern, Groß­el­tern, Paten, die mit ihren Kin­dern beten, die Ange­bote der Kir­chen­ge­meinde wahr­neh­men, ihren Kin­der aus der Kin­der­bi­bel vor­le­sen. So kann ein Ver­trauen wach­sen. Die Taufe ist kein Fer­tig­ge­richt, son­dern sie ist mehr ein Same, der wach­sen will.

Alles, was leben­dig ist, wächst, will wach­sen. Die Bezie­hung zu Gott ist nur leben­dig, wenn sie wächst. Daher sind die Tauf­klei­der klas­si­scher­weise viel zu lang: In die Taufe, in den Glau­ben an Gott muss der Täuf­ling noch hin­ein­wach­sen. Auch wir als Gemeinde wach­sen mit jeder Taufe: Neue Mit­glie­der sind ein Segen. Dass wir aus­schließ­lich im Got­tes­dienst tau­fen hat auch damit zu tun: Wir sol­len unser Wachs­tum sehen, es nicht vor der Gemeinde ver­ste­cken. Kin­der, die getauft wer­den, mögen einen Got­tes­dienst akus­tisch bele­ben und den einen oder ande­ren Gedan­ken einer Pre­digt unge­hört machen. Doch sie sind vor allem unsere Zukunft. Wer soll den christ­li­chen Glau­ben in der nächs­ten Gene­ra­tion leben, wenn nicht sie? Wer soll die Barm­her­zig­keit, die Liebe, die Ver­ge­bung Got­tes leben, wenn nicht sie? Taufe ist eine Inves­ti­tion in die Zukunft unse­rer Gemeinde und in die Zukunft der christ­li­chen Fami­lie. Wer auch in Zukunft leben will, muss in diese Zukunft investieren.

Eine erfüllte Som­mer­zeit wünscht Ihnen Ihr

Pas­tor Joa­chim Deutsch